isches no wit? Nicht wirklich!!!

geschrieben von admin am 30. August 2011 um 22:53

 

Wir sind nämlich zu Hause! Nach einer schönen Zusatzrunde im französischen und schweizer Jura sind wir am Dienstag 16.8.2011 wieder in Bern angekommen. Empfangen wurden wir von Familie und Freunden mit Champagner vor der Haustüre.

Die Heimkehr wurde uns so leicht wie möglich gemacht. Unsere lieben Leute hatten in der Wohnung bereits wieder das Bett aufgebaut und auch die Umzugskisten aus dem Estrich warteten bereits in der Wohnung darauf ausgepackt zu werden. Bern zeigte sich von seiner schönsten sommerlichen Seite und die Aare lockte mit warmen 22 °C. zum baden!

Für die Reise und die gemachten Erfahrungen sind wir unendlich dankbar. Es war eine wunderbare Zeit mit vielen wertvollen und emotionalen Begegnungen, welche wir niemals vergessen werden.

Auf ein paar Eckpunkte und Kennzahlen reduziert sieht unsere Reise ungefähr so aus:

Bereiste Länder Schweiz, Deutschland, Österreich, Slowakei, Ungarn, Kroatien, Bosnien, Serbien, Rumänien, Bulgarien, Mazedonien, Albanien, Italien, Griechenland, Türkei, Marokko, Spanien, Portugal, Frankreich
Dauer der Reise 16.5 Monate
Anzahl Kilometer 15`037
Gefahrende Stunden 894
Durchschnittsgeschwindigkeit in km/h 16.9
Höchstgeschwindigkeiten in km/h Marc: 74.54 (Schweiz)
Didi: 66.4 (Schweiz)
Velo Marc 3 Platten vorne, 2 Platten hinten, 1 gerissenes Schaltkabel, 1x Ritzel gelöst, 4 Ketten, 2 Paar Bremsklötze
Velo Didi 2 Platten vorne, 4 Platten hinten, 2 gebrochene Hinterradfelgen, 1 gerissener Pneu, 4 Ketten, 2 Paar Bremsklötze

Wir danken allen Leuten, welche uns auf dieser Reise mit ihrer Gastfreundschaft und Herzlichkeit unterstützt haben. Und natürlich unseren Familien und Freunden, welche zu Hause auf uns gewartet und für unseren Wunsch Verständnis aufgebracht haben. Merci, danke, d`akujem, köszönöm, hvala, multumesk, благодаря, ви благодариме, faleminderit, grazie, σας ευχαριστώ, teşekkür ederim, شكرا , Gracias, obrigado, Merci

 

Ps: so lange stillhalten müssen wir nicht! Ende September radeln wir bereits wieder nach Rom um dort Didis Schwester zu besuchen. The road must go on…


Im Land der tieffliegenden Schwalben

geschrieben von admin am 9. August 2011 um 18:02

 

Der letzte Abend in Clermont-Ferrand bei Christoph und Nadège war nochmals so richtig lustig und dauerete natürlich auch wieder etwas länger als geplant. So vermochte es uns selber nicht all zu sehr zu erstaunen, dass das angekündigte gute Wetter am Morgen, bereits dem schlechten Wetter am Mittag platz gemacht hatte, als wir uns endlich winkend auf den Weg machten. Die tieffliegenden Schwalben zeigten uns den Weg und sollten bis an den Lac Léman unsere treuen Begleiter sein.

Trotz Hundewetter beschlossen wir nicht direkt zu fahren, sondern in der mystischen Vulkanwelt der Auvergne noch eine Zusatzschlaufe durch die beeindruckende Siouleschlucht zu drehen. Gelandet sind wir schliesslich im Landstädtchen Ebreuil, wo wir uns um 21.00 mit allen anderen Ebreuilern in der Mehrzweckhalle einfanden. Der örtliche Kulturverein hat zum Tanzspektakel mit Gruppen aus Jamaika und China geladen. Der Beitrag aus Jamaika bestand aus drei mittelalterlichen, sturzbetrunkenen Männern, welche trommelnd und wild schreiend auf den Bühne herum torkelten. Die Chinesen wiederum beeindruckten mit einer chaotischen Performance, welche in einer Bolognese quer durch den Saal endete und bei der neben den Chinesen eigentlich nur die überengagierten soziokulturellen AnimatorInnen und die örtlichen Lustmolche – in der Hoffnung so eine knackige Chinesin zu fassen zu kriegen – mittanzten. Schreiend lustig war es allemal. :)

Der nächste Tag führte uns vorbei am Nobelkur –und Gesichtscrèmeort Vichy an dem Exzesse wie am Vorabend wohl weniger gern gesehen werden. Die gichtgeplagten Alten gaben sich alle Mühe auch bei Regen mit blasierter Miene im Park zum zu stolzieren. Uns trieb es noch etwas weiter in die Berge und so erreichten wir gegen Abend das Künstlerdorf Chatel Montagne. Nachdem das Bergdorf kurz vor dem Aussterben stand, wurde im französischen Fernsehen ein Aufruf zur Wiederbelebung des Dorfes gemacht. Viele KünstlerInnen sind dem Aufruf gefolgt und so konnten wir am Sonntag die Ateliers der Töpferer, Glasbläser und Malerinnen bestaunen, bevor wir uns auf dem Markt vor der Dorfkirche mit Biokäse eindeckten und schliesslich nach Belmont de la Loira weiterfuhren.

Das relativ gute sonntägliche Wetter hatte sich am Montag wieder verflüchtigt und so trieb uns der heftige Wolkenbruch als erstes in eine Bäckerei zu einem Pain au chocolat. Von dort wurden wir gleich in die Kneipe von Suzanne weitergereicht, wo Suzanne uns die Cafés vor lauter Mitleid (für Didi) gleich offerierte. Nachdem sich der Himmel aufgeklärt und Suzanne unsere Sättel mit dem Küchentuch trockengerieben hat gings weiter ins Beaujolais Gebiet. In Beaujeu stellten wir uns schlotternd und Nass bis auf die Unterhosen unter das Kirchenvordach. Der Vater einer Schweizer Familie fand das romantisch – wir nur unangenehm. Und so wollten wir nach so langer Zeit schon fast wieder einmal ein Zimmer beziehen, als sich am Himmel plötzlich die Sonne zeigte. Als wir dann in Sandrans ankamen, hatte der Fahrtwind die Kleider getrocknet und die regenschweren Gedanken vertrieben. Zum Glück sind wir noch weitergefahren: so konnten wir unser Zelt nämlich auf dem Campingplatz von Rémy und Sophie und ihren drei süssen Kindern aufstellen. Nachdem der Platz über mehrere Jahre geschlossen war, hat die Familie ihn nun per 14.7.11 übernommen und ist nun daran, den Camping wieder auf Vordermann zu bringen.  Und sie machen einen tollen Job!

Tags darauf erreichten wir bereits den französischen Jura. Der Camping in Thoirette war voller Radfahrer und da uns die immer gleichen Diskussionen über Tageskilometer und Velozubehör einmal mehr langweilte, landeten wir im Wohnwagen von Alke und Rainer. Die beiden lustigen Hannoveraner kennen die Region wie ihre Westentasche und gaben uns für die kommende Etappe tolle Tipps. Einer dieser Tipps führte uns zu tollen Sinterterrassen. Wir fühlten uns ein wenig wie in Pamukkale und Neuseeland gleichzeitig und erst der herzhafte Stich einer Wespe in Marcs Fuß holte uns zurück in den Jura. Die Wespen waren an diesem Tag sowieso nicht so gut auf Marc zu sprechen. Die zweite rammte ihm ihren Stachel während der Abfahrt vom Plateau du Retord ins Fleisch. Nach diesen zwei hinterhältigen Attacken zeigte sich Mutter Natur abends dann aber doch noch von der versöhnlichen Seite: 50 Meter vom Zelt entfernt fanden wir drei tolle Steinpilze, welche am nächsten Tag in Annecy zu Steinpilzrisotto verarbeitet wurden.

Schliesslich war nach diesen eher strengen Etappen wieder einmal ein Pausentag fällig. Wir nutzten diesen Tag um mit dem Zug nach Chamonix zu fahren. Dort haben sich nämlich Zoran und Rada aus Banja Luka mit einigen Freunden eingefunden. Zoran haben wir leider nicht gesehen, da er gerade mit der Bezwingung des Mont Blanc (!) beschäftigt war. Mit Rada und ihren Freunden verbrachten wir aber einen tollen Tag in der phantastischen Bergwelt. Frisch und gestärkt gings dann schliesslich in drei Tagesetappen über fünf Alpenpässe bis hinunter an den Lac Léman. In Amphion legten wir nochmals einen Pausentag ein bevor wir schliesslich am Mittwoch nach Lausanne radelten.

In Lausanne wurden wir bei Steffi, einer Freundin von Sabine und Alex einquartiert. Wir sind keinen Tag zu früh in der Schweiz angekommen. Denn gerade weilte auch noch Regula, die im römischen Exil lebende Schwester von Didi, in Münsingen. So brausten die Eltern und die Schwester von Didi kurzerhand nach Lausanne und im Park der Expo 64 zwischen symbolischer Bergwelt und Rütlischwurfingerplastik kam es zum langersehnten Wiedersehen. Nach einem schönen gemeinsamen Nachmittag mit kurzen Schreckmomenten (das Glas Rivella kostet CHF. 5.10!!!) reisten die drei wieder ab, da Regula am kommenden Tag den Heimweg in ihre Wahlheimat antreten würde.

Wir wiederum halfen Sabine bei den Hochzeitsfestvorbereitungen und testeten uns Abends durch die Weissweine des kommenden Festes. Am Samstag war dann noch Endspurt angesagt und um 18:00 konnte das Fest beginnen. Auf der wunderschönen Terrasse hoch über dem Genfersee blieb kein Wunsch unerfüllt: Wunderbare Sushi wurden aufgetragen, Alex machten den Grillmeister gleich selbst, ein Barkeeper mixte allen Leuten den Wunschdrink, Feuerwerk, Chili Con Carne um Mitternacht… es war ein rauschendes Fest! Am Montag hatten wir die Ehre, Sabine und Alex im engen Kreis der Familie und Freunde noch auf das Standesamt begleiten zu dürfen. Und wieder wurde danach gut gegessen und gut getrunken, so dass nun für den Heimweg noch ein kleiner Umweg durch den französischen Jura notwendig ist. Schliesslich wollen wir nach 16 Monaten bei unseren Lieben zu Hause doch ein gutes Bild abgeben ;)

Bis bald an der Viktoriastrasse also!


Tour de France

geschrieben von admin am 21. Juli 2011 um 15:54

 

Nachdem wir uns von Pedro und Catia in Formigal verabschiedet – und die letzten sieben Kilometer und dreihundert Höhenmeter des Col du Pourtalet bewältigt hatten, überquerten wir auf 1792 MüM die Grenze von Spanien nach Frankreich.

Als erstes begrüsste uns ein Käsestand (es hüpft das Herz!), als zweites ein Schild, welches den Pass als dramatischen Schwerpunkt vergangener Tour de France Etappen ausweist. Auf der geschichtsträchtigen Passstrasse bretterten wir also runter ins Tal. In Laruns (500 MüM.) stellte sich folgende Frage: Im Tal weiter nach Pau? oder gleich wieder rauf und über den Col d`Aubisque (1709 MüM.) weiter zum Col du Soulor (1471 MüM.). Bei diesem Traumwetter natürlich rauf! Schliesslich würden sich rund eine Woche später auch die Schleck Brüder, Cancellara, Contador und Co. hier die Zähne ausbeissen. Während rund zwei Stunden kämpften wir uns angefeuert von den Rennradfahrern die 7% – 10% Steigungen hoch. Es war echt der Hammer – vor allem die Abfahrt nach dem dritten Pass.

Schliesslich fanden wir uns in flächeren Gefielden wieder und genossen die radlerei ohne Haarnadelkurven vorbei an riesigen Mais und Sonnenblumenfeldern und hübschen kleinen Dörfern. Langsam brach der Abend an und in einem dieser kleinen Dörfer erschien uns der Garten des Schul –und gleichzeitig Bürgermeisterhauses als geeigneter Campingplatz. Nach kurzer Rücksprache mit einem Anwohner konnten wir unser Zelt dort auch wirklich aufstellen. Nicht aber ohne vorher noch zwei Bier in Empfang genommen zu haben.

Dies war der Beginn der französischen Gastfreundschaft! Tags darauf erreichten wir das idyllische Kleinststädtchen Barbaste. Neben dem uralten Ortskern kann Barbaste auch mit einer Schlossähnlichen Mühle von Henry IV aufwarten. Und direkt vor dieser Mühle und der steinernen Bogenbrücke stellten wir unser Zelt auf. In vielen französischen Ortschaften gibt es nämlich freie Stellplätze für Wohnmobile. Stellt man das Zelt in die Nähe eines Wohnmobils, wird allgemein angenommen, dass im Zelt die Kinder der Wohnmobilbesitzer schlafen und so sagt auch niemand etwas. Wildcampen mitten in der Stadt vor einmaliger Kulisse – das ist doch auch mal was! Am nächsten Morgen lernten wir Hélène kennen. Die rüstige Rentnerin lebt normalerweise in Paris hat familienhalber aber noch ein Haus in Barbaste. In dieses hat sie uns auf 11.00 zum Apéro bestellt. Beim Apéritiv lernten wir auch Kylyan kennen. Der sechsjährige lebt mit seinen Eltern und den fünf Geschwister in einem Pariser Banlieu und verbringt nun drei Wochen Ferien bei Hélène. Organisiert wurde der Aufenthalt von der katholischen Kirche. Nach dem Mittagessen hat sich Kylyan zum Mittagsschlaf zurückgezogen und schon bald darauf hörte man ihn aus seinem Zimmer schluchzen. Hélène konnte ihn über sein schreckliches Heimweh nicht hinwegtrösten und so versuchte schliesslich Marc sein Glück. Nach und nach beruhigte sich der Kleine und wir beschlossen am Nachmittag alle zusammen zum schwimmen an den Nahen See zu fahren. Eine Weiterfahrt am Abend hätte schliesslich auch keinen Sinn mehr gemacht und so haben wir bei Hélèle ein Zimmer bezogen. Aus dem Apéro wurden schliesslich drei volle Tage und es war eine geniale Zeit mit den beiden.

Nach dem schweren Abschied radelten wir in Richtung St. Céré und tauchten in die fabelhafte Schlösserwelt der Dordogne ein. Über 1400 Schlösser stehen in dieser Region und tatsächlich konnten wir unseren Wohnmobiltrick direkt vor dem Schloss Biron erneut anwenden ;) . Weiter gings durchs Vallé des 5 Châteaux. In der Nähe von  St. Céré trafen wir dann Cécile, Greg und Nahel wieder. Genau, das sind die mit denen wir eine tolle Zeit im marrokanischen Riffgebirge verbracht haben. Nun haben sie ihren Camion an einem wunderschönen Platz direkt an der Dordogne platziert. Natürlich sind wir auch bei diesen dreien wieder einen Tag länger als vorgesehen hangen geblieben.

Dann wars aber definitiv Zeit zum Aufbruch. Schliesslich mussten wir bis zum 18.7 Clermont-Ferrand erreichen und zwischen uns und der Michelinstadt thronte noch das Zentralmassiv. Und wieder bewegten wir uns auf einer diesjährigen Tour de France Bergstrecke.  Leider zeigte sich auch das Wetter von seiner garstigen Seite. Nieselregen und bedrohlich aussehende Wolkenformationen begleiteten uns auf dem ganzen Weg. Warm einpacken war auch angesagt. In der Nacht wurde es teilweise bis zu 7 Grad kalt. Zeit also wieder einmal einen Zeltplatz mit warmer Dusche aufzusuchen.

Am 18.7 erreichten wir Nachmittags aber dann tatsächlich Clermont-Ferrand. Im Speckgürtel der 150`000 Einwohnerstadt machten wir noch einen kurzen Stopp in einer Einkaufsmeile. Während sich Marc auf die Jagd nach einem PC Kabel machte, wartete Christine mit den Rädern vor dem Einkaufszentrum. Natürlich fallen wir in dieser Umgebung auf wie bunte Hunde und so war Christine kurze Zeit später schon in ein Gespräch mit Christophe und Nadège vertieft. Das Ehepaar wollte alles über die Räder wissen. Wir wiederum wollten von ihnen wissen, wo wir uns in Clermont-Ferrand für ein paar Tage einquartieren können. Bei Ihnen zu Hause war die Antwort!

So kam es, dass sich Marc am nächsten Nachmittag am Bahnhof nicht nur von Christine sondern auch von Christoph, Nadège und ihrem kleinen Sohn Nino verabschiedete. Sieben Stunden Zugfahrt und ein Vorstellungsgespräch in der Heimat lagen vor ihm. Tags darauf war er wieder wohlbehalten und mit einer zugesicherten Stelle als Schulsozialarbeiter zurück.

Und so sitzen wir nun also wieder vereint in der guten Stube von Christoph und Nadège, schreiben den Bloggeintrag und schauen Tour de France während draussen immer noch der Regen prasselt.

Morgen gehts aber weiter. Schliesslich möchten wir noch ein paar Alpenpässe fahren, bevor wir am 6.8. für das Hochzeit von Sabine und Alex in Lausanne einradeln.


Il Camino de San Christina di Marcostella – Nordspanien

geschrieben von admin am 4. Juli 2011 um 18:12

 

Vier ereignisreiche, schöne Wochen sind seid dem letzten Bloggeintrag vergangen und trotzdem beginnt er, wie der letzte geendet hat. Wieder verlassen wir in den nächsten Tagen ein tolles Land, wieder sind wir bei Pedro und Catia einquartiert und wieder ist bald Essenszeit ;) Aber von Anfang an:

Ein wenig saudadegeplagt haben wir den Praia Amarosa verlassen und sind dem Rio Lima auf Trampelpfaden und Feldwegen entlang Richtung Spanien gefolgt. Der Plan wäre gewesen am nächsten Morgen in Portugal ein letztes Galau und Pastel di Nata zu geniessen und uns dann ins Land der Torros abzusetzen. Nun liegt aber das Grenzdörfchen Lindosa mitten in einer wunderbaren Schussfahrt und so ist Marc fröhlich pfeiffend und juchzend daran vorbeigerauscht, hat auch die Grenze nicht bemerkt und vor allem Didi nicht gehört. Diese hat nämlich auch gepfiffen und geschrien jedoch um des Galaus und Pastel di Natas Willen aber… “scho düre”.

Galicien begrüsste uns mit einer schönen Stauseelandschaft und kurz vor Ourense fanden wir bei einem abgelegenen Picnicplatz auch einen guten Stellplatz für unser Zelt. Tags darauf erreichten wir die Gargante del Sil. Eine spektakuläre Schlucht des Rio Sil, welche uns so einiges abverlangte. Die grandiosen Ausblicke hinunter auf den gewundenen Fluss und hinüber zu den mal felsigen, mal dicht bewaldeten Hängen machten jedoch jegliche Anstrengung nichtig. In Parado de Sil konnten wir eingeklemmt zwischen Wildsauköpfen und anderen Jagdtrophäen mit dem bejahrten Besitzer des Restaurants-Lebensmittel-Eisenwaren-Post-Bank…Touristeninformationsladen dann auch gleich noch ausführlich unsere Weiterreise besprechen. So radelten wir tags darauf weiter der Silschlucht entlang. Dieses Mal in Mitten von steilen Rebhängen und kleinen Weinbaudörfern. Am Ende der Schlucht trafen wir Pedro und Catia. Nach ihren Vorstellungsgesprächen in den spanischen Pyrenäen waren die beiden auf dem Rückweg nach Portugal und haben den Umweg über Puebla de Trives in Kauf genommen um uns nochmals zu sehen. Das Treffen war jedoch mit der Aufforderung verbunden, dass wir sie im Juli in den Pyrenäen besuchen müssen. Na dann bis bald!

Bis dahin wars aber noch ein langer und anstrengender Weg. Zu anstrengend für Didis Hinterradfelge aus Marokko. Nach 3000 Kilometern hat sie den Dienst auf spektakuläre Weise quittiert: Eine Speiche hat in die Felge ein grosses Loch gerissen, so dass an eine längere Weiterfahrt nicht mehr zu denken war. Glücklicherweise befanden wir uns in der Nähe einer Eisenbahlinie und die dreistündige Wartezeit verging wie im Fluge. Zuerst wurden wir von den Locals zum Bier eingeladen, dann lernten wir eine Jakobswegpilgerin kennen, welche sich dermassen übernommen hat, dass auch für sie nur noch der Zug in Frage kam. Natürlich war Wochenende und die Mechaniker hatten ihre Tore bereits geschlossen und so genossen  wir auf einem Camping unweit der Pilgerstadt Ponferrada unsere “Zwangspause”. Zeit genug für ein Studium der Jakobswegpilgerer. Ansonsten haben wir jedoch versucht, den Jakobsweg so gut wie möglich zu umfahren. Gerade ist nämlich Hochsaison und ganze Heerscharen von mehr und meistens weniger Gläubigen pilgern durch das idyllische Nordspanien. 1990 haben rund 5000 Pilgerer in Santiago de Compostella ihre Reise abgeschlossen. 2010 waren es 250`000. Für uns Grund genug den Jabkobsweg mit neuer Felge so rasch als möglich wieder zu verlassen.

Bis zur nächsten Panne sind wir aber nicht allzuweit gekommen. Kurz nach Ponferrada wieder am Rio Sil mussten wir bei Didis Vorderrad einen Platten flicken. Das geht ja mittlerweile recht flott, eins zwei hopp, Hände gewaschen, Taschen montiert, draufge… pfffffffff… und nochmals von vorne. Dieses Mal mit Felgenbandwechsel und neuem Schlauch. Schliesslich rollte aber alles wieder rund und wir konnten die phantastische Abendstimmung in der Bergwelt entlang des Rio Luna in vollen Zügen geniessen. Der Rückenwind trieb uns immer weiter durch die Hochebene. Neben uns die gurgelnde Luna und rauschende Felder. Die Landschaft getüncht im warmen rot der untergehenden Sonne und umrandet vom Schattenspiel der sich auftürmenden Berge.

Über den Pass Puerto San Glorio sind wir schliesslich in die Bergwelt der Picos de Europa eingetaucht. Per Autostopp erreichten wir vom Camping aus die Talstation Fuente dé und per Gondel den Ausgangspunkt der Wanderung. Trotz bestem Wetter (etwas was in den Picos relativ selten vorkommt) war der Parkplatz an der Talstation fast leer und  wir hatten den Wanderweg beinahe für uns alleine. Zuerst noch gemächlich, dann immer steiler schraubte sich dieser in die Höhe. Auf einem Bergrücken beim Horcado Rojos war für uns dann Endstation. Die Eisfelder zum Gipfel konnten wir mit unseren Trekkingschuhen nicht mehr überqueren. Was aber auch gar nicht nötig war. Es bot sich ein grandioser Ausblick. Picknickend neben einem Eisfeld in luftiger Höhe blickten wir über die Gipfel der Picos bis hinunter ans Meer, wo die goldenen Sandstrände Asturiens deutlich zu erkennen waren. Beim Abstieg hatten wir den Wanderweg dann nicht mehr für uns. Nun waren auch die spanischen Spätzünder alle unterwegs. Die verschobenen Zeiten der Spanier zeigen sich halt nicht nur beim Essen sondern auch beim wandern ;)

Nach drei Tagen in den Picos zog es uns dann aber an die Küste. Diese erreichten wir durch die Gargante de Cares. Eine Schlucht mit so hohen Felswänden, dass einzelne Dörfer den ganzen Winter hindurch keinen einzigen Sonnenstrahl erwischen. Entlang der wunderschönen asturischen Küste mit weiten Sandstränden eingebettet in eine sattgrüne Hügellandschaft und vorbei an mittelalterlichen Bijoustädtchen wie Santillana erreichten wir schliesslich Santander. Von dort gings weiter ins Baskenland. Wir waren noch keine 10 Minuten in Euskadi als wir bei einem Orientierungsstopp unseren ersten stolzen Basken trafen. Die Leute hier seien besser und freundlicher als dort drüben sagte er und schnalzte verächtlich in  Richtung Asturien. Und wirklich sind wir uns vorgekommen wie in einem anderen Land. Die Leute sagen nicht mehr Olà sondern Kaixo, das Land heisst nicht mehr Pais Vasco sondern Euskadi, San Sebastian heisst Donostia  und die Leute sind so offen und freundlich wie wir es sonst nirgends in Spanien angetroffen haben. Wir genossen also unsere Zeit in Euskadi in vollen Zügen.

Bilbao, jahrzehntelang ein Symbol für dampfende Schlote und graue Industriegebiete hat sich heute fein gemacht ohne herausgeputzt zu wirken. Das Guggenheimmuseum hat uns echt die Sprache verschlagen. Aber auch ein alter Palast welcher heute als Bibliothek und Veranstaltungsort genutzt wird ist eine schlichtweg geniale Symbiose von altehrwürdigen Gebäuden und modernster, klarer Architektur. Unseren Campingplatz an einem wunderschönen Strand ca. 15 Kilometer vor Bilbao haben wir per Radweg bequem durch die Grossstadt erreicht und konnten danach mit der Metro zum abendlichen Pinxos (Tapas) essen und txakoli trinken in die Stadt zurücksausen.

Entlang der Küste von Biscaya gings dann bis nach Zarautz. In dieses Städtchen Nahe von San Sebastian haben wir uns gleich verliebt. Zwar ist es weder besonders hübsch noch hat es besonders viel zu bieten aber die abendliche Stimmung in den Gassen war einfach herrlich. In den Bars werden die köstlichsten Pinxos serviert. Überall sind die Leute am schlendern, essen und trinken. Am Abend finden Konzerte statt und tagsüber toben sich die Leute auf ihren Surfbrettern am Stadtstrand aus. Leider hat am zweiten Tag in Zarautz auch der für Nordspanien so typische Regen Einzug gehalten und als wir hinter dem Toilettenhaus gerade daran waren unseren Risotto zu kochen, wurden wir von einem jungen spanischen Pärchen in ihr Hauszelt zum essen eingeladen. Es wurde gequatscht und gequatscht und plötzlich war auch schon vier Uhr Morgens. Die spanische Zeitverschiebung… einmal mehr ;)

Eine stillgelegte  Eisenbahnlinie führte uns dann über den Belate Pass in die Navarra und nach Pamplona. Pamplona ist gerade dabei sich auf die San Fermin vorzubereiten. In unseren Breitengraden ist dieses Fest vor allem aufgrund seiner Stierhatz durch die Altstadtgassen bekannt. Auch Pamplona ist eine weitere geniale Stadt. Mit Velowegen, Parks und Grünflächen und einer abendlichen Movenda, welche uns ins staunen versetzte.

Nach Pamplona nahmen wir dann den Weg in die Pyrenäen in Angriff. Dieser führte uns unter anderem durch die Foz de Lumbier, einer weiteren spektakulären Schlucht. Das genialste an der Foz de Lumbier waren jedoch die Gemsgeier welche zu duzenden über unseren Köpfen kreisten und aus nächster Nähe beobachtet werden konnten. Kurz nach der Foz de Lumbier ging es dann langsam aber sicher in die Höhe und vorbei an den golden schimmernden Kornfelder Aragons. Am Stausee von Yesa fanden wir nochmals einen traumhaften Platz für unser Zelt und stiegen tags darauf dann definitiv in die Bergwelt der Pyrenäen ein. Nach einer letzen Monsteretappe mit über 100 Kilometern Länge und einem Aufstieg von 400mÜM auf 1500mÜM erreichten wir am Samstag schliesslich Formigal und somit unsere Freunde Pedro und Catia.

Essen ist fertig!!!


Nordportugal

geschrieben von admin am 6. Juni 2011 um 22:11

 

Auf dem Camping in Lissabon zwischen Ikea und Autobahn zu campen war schräg. Es wurde aber noch schräger, als der Platz neben uns von einem Zürcher VW Bus mit Pferdeanhänger besetzt wurde. Ausgestiegen ist ein Bündner Names Tom und eine Berlinerin Namens Yvette. Als sie die Heckklappe des Pferdeanhängers öffneten, dachten wir, dass jetzt hier gleich noch ein Pferd rumspaziert… doch nichts passierte. Wir warfen also neugierig einen Blick in den Anhänger und was sehen wir da? Eine Nähmaschine! Die beiden Jungdesigner sind nämlich mit ihrem Label Come Pony auf Tour. Genäht und verkauft wird direkt im beziehungsweise aus dem Pferdeanhänger. Nun hatten die beiden die Chance, an einem Markt auf dem Castello Sao Jorge mitten in Lissabon zu verkaufen. Wir versprachen also, beim Wochenendmarkt auf dem Kastell reinzuschauen und radelten in Richtung Cascais, in Richtung Meeres –statt Autobahnrauschen, in Richtung Pinien –statt Benzinduft.

Am nächsten Tag gings also mit dem Zug nach Lissabon und hoch auf das Kastel hoch über dem Tejo. Der Pferdeanhänger stand in tollster Lage auf dem Miradoru mit Blick über den Tejo zur Rioartigen Jesusstatue und hinüber zum Barrio alto. Die Zeit zwischen den Verkaufsständen und Dj Bühnen verflog und so war es halb 3 Uhr Morgens als wir endlich an unserem Hort der Ruhe ins Zelt krochen. Für den Samstag waren wir in Cascais zum Mittagessen eingeladen. Markus, Nina und ihre beiden Kinder haben wir auf dem Zeltplatz in Cadiz kennengelernt. Sie hatten gerade Besuch von Freunden aus Deutschland und so verbrachten wir einen lustigen, wenn auch verregneten Nachmittag in ihrem tollen Haus.

Am Sonntag war das Wetter ein wenig besser und wir nahmen Fahrt Richtung Norden auf. Die ersten paar Kilometer gings jedoch nochmals westwärts – zum Cabo da Roca, dort erreichten wir nämlich den Ponto mais Ocidental da Europa Continental, den westlichsten Punkt des europäischen Festlandes. Nach den Grenzen im Osten und im Süden, waren wir nun also wieder an einer europäischen Extremität angekommen. Der Blick schweifte in Richtung Amerika: ob es sich dort auch gut velölen lässt? Vielleicht ein ander mal. Im Moment sind wir ja auf dem Weg nach Hause.

Entlang der Küste gings immer weiter. Bei Abstechern ins Landesinnere passierten wir die Schlösserwelt von Sintra, die mittelalterlich anmutende Burgstadt Obidos und statteten den lustigen Weibern von Sitio einen Besuch ab. Sitio liegt hoch über der Bucht von Nazare gelegen. Es gibt eine wunderbare Aussichtsplattform und eine schöne Kirche. Mindestens so interessant wie die Aussicht und die heiligen Räumlichkeiten sind jedoch die Frauen mit den sieben Röcken, welche ihre Dörrfrüchte und Gebäcke an den Mann und die Frau bringen wollen. Dafür wird gesungen und getanzt, geschäkert und gebrüllt. Ein Schauspiel.

Gestärkt mit lustiger Weiberprofiant gings für uns dann weiter nach Figueira do Foz. Dort verbrachten wir einen lustigen Abend mit drei jungen Bernerinnen welche gerade auf einer Tour rund um die iberische Halbinsel sind. So sind wir für unsere Rückkehr also bereits wieder bestens mit dem neusten Klatsch und Tratsch aus der Zähringerstadt gerüstet.

Nach knapp 500 Kilometern erreichten wir dann schliesslich Porto, wo wir ein Rendevous mit Pedro und Catia hatten. Die beiden haben wir am Strassenrand im Alentejo kennegelernt. Normalerweise seien sie auch mit dem Rad unterwegs, haben sie uns damals gesagt, gerade seien sie aber mit ihrem Freund Manuel in den Surfferien. Falls wir nach Porto kommen, sollen wir uns bei ihnen melden. Bekannterweise lassen wir uns in derartigen Situationen nie zweimal bitten und so haben uns die beiden einen ganzen Tag in der tollen Stadt am Douro rumgeführt. Die Szenerie ist genial. Steht man auf der Portoseite in der Ribeira, dem Fischerviertel sieht man auf der gegenüberliegenden Seite die ganzen Portweinkellereien. Auf dem Douro dümpeln die Holzkähne für den Fässertransport vor sich hin. Schlendert man dann über die massive Eisenbrücke auf die Seite von Vila Nova de Gaia hat man ein wunderschönes Stadtbild von Porto. Die Stadt welche sich in engen, verwinkelten Gassen vom Douro über die Ribeira in die Höhe schraubt und so viele Perlen zu bieten hat. Die altehrwürdige Buchhandlung Lello, das wunderschöne Stadthaus und immer wieder grosszügige Plätze und enge Gassen. Beim gemeinsamen Fracashinha (portugisische Käseschnitte) essen, haben uns Pedro und Catia zu sich etwas weiter Nördlich an den Praia de Amorosa eingeladen. Catias Familie betreibt dort ein Restaurant und so radelten wir am nächsten Tag die Rund 100 Kilometer in Richtung spanischer Grenze.

Am Praia de Amorosa wurden wir herzlich empfangen. Im Restaurant trifft sich jeweils die ganze Familie. Die Familie von Catia, samt Kinder und Kegel, die Schwester von Pedro und auf Manuel haben wir dort wieder getroffen. Catia und Pedro mussten am nächsten Tag im Restaurant arbeiten und so hat uns Manuel zum surfen und bodyboarden mitgenommen. Nach dem gemeinsamen Abendessen brachen Catia und Pedro nach Spanien auf. Die beiden arbeiten im Winter immer in den spanischen Pyrenäen und hatten für Montagmorgen einen Termin mit ihrem dortigen Arbeitgeber. Davon dass auch wir deshalb abreisen wollten sich jedoch nichts wissen. So drückten sie uns den Schlüssel zu ihrer Wohnung in die Hand und sagten, dass wir uns am nächsten Tag unbedingt die Nachbarsstadt Viana do Castello anschauen sollen. So sind wir im Moment also immer noch bei Catia und Pedro einquartiert und haben uns heute das hübsche Viana angeschaut. Gleich gibt es unten im Restaurant Abendessen und Morgen brechen dann auch wir auf in Richtung spanischer Grenze. Beim Gedanken daran, Portugal nun schon bald zu verlassen, werden sogar wir von der berühmten Saudade befallen. Dem melancholischen Gefühl, etwas ganz fest zu vermissen.


Südportugal

geschrieben von admin am 26. Mai 2011 um 16:38

 

Nach zwei Wochen der Ruhe und Erholung in Tavira und der fünftägigen Andalusienreise schwangen wir uns mit viel Elan und Motivation wieder auf die beiden Drahtesel. Die beiden schienen uns den Seitensprung mit dem Mietwagen nicht übel zu nehmen und so rollten wir bei tollstem Wetter Richtung spanische Grenze. Am Grenzfluss Guadiana angekommen, folgten wir diesem durch sanfte Hügel und idyllische Dörfer ins Landesinnere. Stetig sind wir gestiegen, haben den Fluss und das gegenüberliegende Spanien aber nie ganz aus den Augen verloren. Auf einem Aussichtspunkt in einer Flussschleife machten wir halt und waren von der Schönheit der Umgebung so überwältigt, dass wir nicht mehr weiterfahren mochten. Ein Platz fürs Zelt war schnell gefunden und so genossen wir die Abendstimmung welche sich langsam über die friedvolle Flusslandschaft senkte.

Das Frühstück am nächsten Tag nahmen wir in Alcoutim zu uns. In diesem kleinen Örtchen mit den steilen Gassen und der hoch thronenden Burg fanden wir auf einer Terrasse über dem Fluss einen Kiosk um den herum ein paar Tischchen gruppiert standen. Wir bestellten “döisch Galöisch e döisch Toschte Mischte” – zwei Milchkaffee im Glas und zwei Toast mit Schinken und Käse – es sollte der Beginn einer kulinarischen Liebe werden. Die Fahhrräder liessen wir unabgeschlossen und unbewacht stehen, schlenderten durch die Gassen, genossen die Ruhe, den Fluss, die Gespräche der Alten, die zufriedene Gelassenheit. Am Nachmittag verliessen wir Alcoutim um weiter in die Berge zu steigen. Der Schriftsteller Raul Proenca hat das Hinterland der Algarve folgendermassen beschrieben: “Was wir sehen gleicht wahrhaft einem Meer aus Bergen – einem Meer, dessen Berge alle gleichen; Berge, die sanft und rund wund wie aus Samt gemacht scheinen und sich in regelmässigen Abständen über die Landschaft verteilen. Hier findet man Grösse, aber auch zugleich Sanftmut. In dieser enormen Ausdehnung steckt etwas liebevolles, etwas feines, das uns aufwühlt, überwältigt.”

Über Feldwege und Landsträsschen schlängelten wir uns durch diese wunderbar Landschaft und bauten an einem kleinen Fluss abends unser Zelt auf. Kurz vor dem ins Zelt schlüpfen noch einmal in den Fluss gesprungen und am nächsten Morgen das Gleiche in umgekehrter Reihenfolge. Zufrieden, sauber geputzt und dargetan radelten wir also weiter. Im Bergdorf Cachopo kauften wir an einem kleinen Kiosk ein paar vergilbte Postkarten. Die Kioskfrau verdankte es uns mit zwei Gläsern Schnapps und führte uns in ihr eigenes kleines Museum. Bei der Poststelle konnten wir schliesslich noch unsere Wasserflaschen füllen und weiter gings. Im Reiseführer haben wir etwas von einer kleinen Wanderung entlang eines kleinen Flusses zu einer Quelle gelesen. Wir beschlossen dort unser Glück für die Nacht zu versuchen – und landeten einmal mehr in einem kleinen Paradies. Direkt bei der Quelle hatte es einen kleinen Naturpool wo wir uns waschen und baden konnten.

Im hübschen Ort Alte machten wir tags darauf eine ausgiebige Mittagsrast und landeten schliesslich in Silves. Es war Freitag und beim Bier in einer Gasse wurde für den Abend Fado angekündigt. Oft wird im Fado die Saudade besungen. Dieses typisch portugiesische Phänomen, welches die Sehnsucht nach besseren Zeiten, nach der verlorenen Liebe oder nach einem verlorenen Zuhause benennt. Natürlich wollten wir uns diese Chance auf authentischen Fado nicht entgehen lassen und pflanzten uns um 21.00 zwischen die Portugiesen im Restaurant. Gegessen wurde Poulet piripiri, getrunken Rotwein. Begleitet wurde die Fadista von einer klassischen Gitarre und einer lautenförmigen guitarra portuguesa. Es war ein wunderschöner Abend. Nach den Liedern der eigentlichen Fadista traten immer wieder Leute aus dem Publikum zu den beiden Musikern und sangen ihre ergreifenden Lieder voller Melancholie und Schwermut.

Den Fado noch in den Ohren und den Wein in den Beinen, setzten wir am Samstag Morgen nochmals zu einer Bergetappe an. Der Weg führte uns hinauf ins Bergdorf Monchique bevor wir schliesslich wieder runter an die Küste nach Lagos brausten. In Lagos machten wir einen Tag Radlerpause und genossen die wunderschönen Strände mit den beeindruckenden Felswänden und Felsformationen. Weiter gings schliesslich bis zum südwestlichsten Punkt des europäischen Festlandes. Auf diesem windumwehten Kap hat Heinrich der Seefahrer im 15. Jahrhundert die grossen nautischen Abenteuer der Portugiesen in die Wege geleitet. Uns zog es noch etwas weiter der Westküste entlang Richtung Norden. Jedoch war es der Beginn unserer Trödleretappen. So radelten wir an diesem Tag nur knapp 30 Kilometer bevor wir den wunderschönen Strand Praia Zavial entdeckten. Im Pinienwäldchen hinter dem Strand platzierten wir unser Zelt und genossen das Strandleben. Tags darauf kamen wir wieder nur knapp 40 Kilometer weiter. Die Felslandschaften und Strände sind so unglaublich schön, dass alle paar Kilometer wieder ein Stopp eingelegt werden musste um ausgiebig zu staunen. Beim Mirador de Aspa, der höchsten Klippe der Umgebung war dann fertig. Die Fernsicht über den tosenden Atlantik, die Kilometerlangen Sandstrände gesäumt von den mächtig abfallenden Klippen war so toll, das wir beschlossen dort unsere Nacht zu verbringen. Leider kam es am Abend zum Wetterumsturz. Draussen im Atlantik zuckten die Blitze und heftige Winde fegten über unser Zelt. Jedoch hatten wir Glück und das Gewitter umging artig “unsere” Klippe.

Die nächste Nacht verbrachten wir dann sicherheitshalber auf einem Zeltplatz mit anderen Radlern. Wir waren alle noch am Zelt aufbauen als ein stündiger Sintflutartiger Regenfall einsetzte. Alle bangten um ihre Zelte und den trockenen Schlafplatz – aber eben: geteiltes Leid ist halbes Leid. Den nächsten Morgen verbrachten wir bei “Galöisch und Toschte Mischte” wartend bis der Regen nachliess. Nach Lustigen Stunden mit den Belgiern trennten sich dann unsere Wege wieder. Die Belgier in den Süden die Schweizer in den Norden.

Ein paar Kilometer weiter, am Praia do Odeixe kamen wir während einer Regenschauer unter einem Vordach mit Yvonne und Wido ins Gespräch. Die beiden pensionierten Zürcher machen mit ihrem VW Bus eine Tour auf der iberischen Halbinsel. Was die beiden neben ihrer  sympathischen Art und den netten Gesprächen besonders auszeichnet ist, dass sie wohl die langsamsten Zürcher der Welt sind. Sie sind nämlich noch langsamer als wir zwei Berner auf dem Velo! Und so haben wir sie in den nächsten Tagen dann auch immer wieder einmal getroffen und meistens am Strassenrand gemeinsam Gott und die Welt besprochen.

Über den Praio do Zambujeira, Vila Novo do Milfontes, den Praio do Melides, Setubal und Sesimbra sind wir durch traumhaftschöne Küstengegenden schliesslich nach Lissabon geradelt. Hier haben wir uns zwischen Ikea, Decathlon und Autobahn auf dem Stadtcamping eingenistet. Trotzdem dauert  die Busfahrt in die Stadt rund 45 Minuten.

Die Stadt gefällt uns super. Auf steilen Strassen stemmt sich das Tram hoch in den Barrio Alta. Das altehrwürdige Quartier mi seinen verwinkelten Gassen, den wunderschönen Cafes und tollen Parks. Mit den Miradors von wo man die Baixa, das Castello de Sao Jorge und den Tejo überblicken kann.

Da unser Aufenthaltsort der Stadt nicht gerecht werden kann, wir aber noch mehr von Lissabon sehen möchten, radeln wir heute weiter ins Nahe Cascais. Dort soll es auch einen Zeltplatz geben und der Zug fährt direkt rein in die Stadt. Wir freuen uns jedenfalls darauf wieder von der Brandung des Atlantiks und nicht mehr vom Rauschen der Autobahn in den Schlaf gewiegt zu werden ;) … Ach ja genau – ein Buchtipp: Nachtzug nach Lissabon von Pascal Mercier


Zu Besuch im Casa Lopes und el Froje Tour

geschrieben von admin am 10. Mai 2011 um 11:08

 

Als wir Jim und Terhi in der malerischen Vulkanwelt auf Santorini zum ersten Mal begegnet sind, sprachen sie immer wieder von einem wunderbaren Ort in Portugal – Tavira. Auch beim zweiten Treffen im lebhaften Marrakech schwärmten die beiden von diesem Ort immer wieder in den höchsten Tönen. Nun wollte es der Zufall so, dass auch unsere Freunde Debora und Mario diesen Ort bei einer ihrer unzähligen Reisen in Marios Heimatland für sich entdeckten und sich in ihn verliebten. Alle Jahre wieder machten die beiden also auch in diesem Kleinstädtchen in der Sandalgarve halt. Und plötzlich stand da also dieses Haus zum Verkauf. Adam Riese wurde zur Hand genommen, ein Herz gefasst… und plötzlich waren die beiden stolze Besitzer eines unglaublich hübschen, kleinen Häuschens in Taviras verträumter Altstadt. Der Fluss Gilao teilt das Städtchen in zwei Teile und verleiht dem “Klein Venedig” der Algarve einen ganz besonderen Reiz. Wer nämlich in Tavira an den Strand will, steigt beim Fischerhafen einfach kurzerhand in ein kleines Boot und lässt sich in zehn Minuten zur traumhaften Ilha Tavira bringen. Im Burggarten lässt es sich wunderbar träumen und die Aussicht über die Stadt an den Salzgärten vorbei zum Atlantik geniessen.

Grund genug also  unsere Reiseroute ein wenig anzupassen. Und so konnten wir Debora und Mario auf der siebenbogigen Ponte Romana in die Arme schliessen. Wenn man sich ein Jahr lang nicht mehr gesehen hat, gibt es doch die eine oder andere Geschichte und Neuigkeit auszutauschen. Mario nahm uns mit auf eine kulinarische Reise quer durch die Algarve bis hinein in den Alentejo. Und so hatten wir uns um 5 Uhr Morgens nicht nur den Mund fusselig gesprochen und Tränen gelacht, sondern auch den Innenhof und das Cheminée eingeweiht und uns begleitet von Tremosas und Chorizo quer durch die portugiesische Schnapswelt degustiert.

Am nächsten Tag war vom milden Frühlingsabend nicht mehr viel zu spüren. Dunkle Wolken haben den Himmel bezogen und es wurde erstaunlich frisch.  Aber auch für diesen Moment waren Debora und Mario vorbereitet und so konnten wir am Abend in passender Wetterstimmung ein Fondue geniessen! Leider blieb das Wetter in den folgenden zwei Wochen oft “Fonduehaft”. Jedoch wussten wir die Sonnenlöcher geschickt zu nutzen und so haben wir doch so viele tolle Plätze im Umland von Tavira erleben dürfen. Durch wunderschöne Orangen –und Zitronenplantagen sind wir nach einigen Pflückstopps beim idyllischen Wasserfall “Pego de inverno” (Höllenschlund) gelandet. Von der Kirchenterrasse im Nachbarort Cacela Velha konnten wir die wunderschöne Lagunenlandschaft des Naturparks Ria Formosa bestaunen und im bergigen Hinterland tauchten wir in die mystische Welt der Korkeichen ein.

Ein absolutes Highlight stellte jedoch der Besuch von Marios Eltern im kleinen Alentejodorf Messejana dar. Völlig unberührt liegt dieses Dorf in einer weiten Hügellandschaft. Hoch über dem Dorf thront die (zwar Pfarrerlose) Dorfkirche. Auf der danebenstehenden Mauerruine haben wir ein Storchennest samt vier Storcheneiern entdeckt. Ein Junges war bereits geschlüpft und hat seine Brüder und Schwester nun lauthals beim Schalenknacken angefeuert. Das aufziehende Gewitter hat die Schönheit der Situation nur noch verstärken können.

Schliesslich trat dann doch noch eine Wetterbesserung ein, welche wir an den kilometerlangen Sandstränden der Ilha Tavira und am Praia de Barril ausgiebig genossen. Wie immer wenn es besonders schön ist, ist auch die Zeit  mit Debora und Mario viel zu schnell verflogen und so hiess es nach zwei Wochen bereits wieder Abschied nehmen.

Abgereist sind aber nur die beiden. Wir wollten uns von Tavira noch nicht trennen. Ausserdem hatten wir noch ein Rendevous in Spanien. Eva, welche wir mit ihrem Freund Alex bereits in Istanbul getroffen haben, hat uns per SMS mitgeteilt, dass sie ganz in der Nähe weile. Ein Plan war schnell geschmiedet: Andalusien per Mietauto – richtig gelesen: die beiden Cyclisten steigen auf vier Räder um  ;) Den Wagen konnten wir in Faro in Empfang nehmen. Ein Name war passend zur Farbe bald gefunden: El Froje! Ausgesprochen El Froche, die spanische Ableitung des deutschen Frosches. Mit unserem Frosch hüpften wir also von Tavira nach Cordoba, wo wir auch Eva trafen. Stundenlang sind wir in den hübschen Gassen rumgeschlendert, haben uns die kunstvollen Pathios angeschaut und sind schliesslich in der alten Moschee gelandet. Was der Agia Sofia in Istanbul wiederfahren ist, passierte hier in entgegengesetzter Richtung. Nach der Eroberung Cordobas durch die katholischen Könige im 16. Jh. wurde die im Jahr 785 errichtete Moschee mit palmenwaldartigem Betsaal christilich geweiht. Damit nicht genug. Mitten ins Herz der Moschee wurde eine Kathedrale gebaut.  So wandelt man heute durch den Säulenwald der Moschee und landet schlussendlich direkt in der Kathedrale.

Weiter gings durch die liebliche andalusische Landschaft nach Granada. Nachdem wir el Froje wie durch ein Wunder, jedoch mit mehreren Verkehrsdelikten (Fahren in der Fussgängerzone, Falschfahren in Einbahnen, Überfahren von Frauen und Kindern…) durch das abendliche Verkehrschaos ohne nennenswerte Blechschäden sicher auf einen Parkplatz manövriert hatten, konnten wir uns der Tapaskultur widmen. Eine glückliche Hand hatten wir dabei aber wohl nicht. Nach mehreren Tapasversuchen mussten wir konsterniert feststellen, dass die Geschichte mit den besten Tapas in Granada wohl eher Fiktion als Wirklichkeit ist. Nichtdestotrotz machten wir uns am nächsten Morgen früh (um 07.00 Uhr) auf den Weg zur Alhambra. The early bird catch the worm … leider gab es aber noch viele Vögel die noch früher als wir in der Warteschlange standen. Daher haben wir nur noch einen Eintritt in die Gartenanlage erwischt. Für die Nazariespaläste erwischten wir nur noch Nachttickets. Nach einem wunderschönen Tag in den Generalifengärten stapften wir um 22.00 also durch einen dunklen Nazarienpalast. Lustig wars auf jeden Fall und die Zeit mit Eva haben wir fest genossen.

Von Eva haben wir uns am Flughafen in Malaga verabschiedet. El Froje haben wir auch wieder abgegeben und so warten nun unsere Drahtesel auf eine Weiterführung der Veloreise. Durchs hügelige Hinterland der Algarve wollen wir nun an die westküste Portugals radeln. Morgen gehts los.

Und das Beste zum Schluss: Wer nun glaubt, dass wir übertrieben haben mit unserer Schwärmerei für Tavira und das Casa Lopes, kann sich gerne selber davon überzeugen. Casa Lopes kann gemietet werden! Die Webadresse wird demnächst auf unserem Gästebuch bekanntgegeben.


Spanien – Andalusien

geschrieben von admin am 21. April 2011 um 09:53

 

Vollgepackt mit Avocados, Datteln und weiteren Marokkoleckereien verliessen wir den afrikanischen Kontinent um mit der Fähre von Ceuta nach Algeciras überzusetzen. Ganze Armadas von Windrädern auf den umliegenden Hügeln kündigten das Surferparadies Tarifa und seine berüchtigten Winde an. An 300 Tagen pro Jahr pfeifft der Wind durch Tarifas Gassen. In Form des Poniente (Ostwind) oder des Levante (Westwind) mit bis zu 100 km/h.  Beim Sonntagsspaziergang am kilometerlangen Sandstrand konnten wir die Windkünstler dann beobachten. Hundertschaften von Kitern flitzen mit ihren Brettern und den bunten Schirmen über die Wellen des Atlantiks.

Wir hatten Glück und der Levante setzte am nächsten Tag nur in ganz gemässigter Form ein. Für die darauffolgenden Tage wurde er aber wieder als stark angekündigt und wir sahen zu, dass wir uns Richtung Nordwesten aus seinem Einflussgebiet zurückziehen konnten. Auf dem Weg nach Conil machten wir einen Abstecher nach Vejer de la Frontera. Schon von weitem konnten wir das weisse Städtchen auf einer Hügelkuppe ausmachen. Wunderbar überblickt man von diesem andalusischen Idyll die weite Umgebung durch deren langgezogenen Kornfelder wir in schönster Abendstimmung in den Sonnenuntergang radelten.

Mit romantischen Landsträsschen wars dann bald vorbei. Cadiz erreichten wir trotz mehreren Anläufen schlussendlich nur über die sechsspurige Autostrasse. Wir stellten unser Zelt auf dem Campingplatz in Puerto de Santa Maria auf. El Puerto liegt Cadiz direkt gegenüber in der gleichnamigen Bucht und ist Andalusiens Sherry-Exporthafen. Zum Frühstücken wagten wir uns in eines der tief versenkten Gewölbelokale. Drinnen tobte um elf Uhr Morgens das Leben. Die Spanier frönten ihrem Frühstück. Nach einem tollen Cafe cortado serviert mit einem Tostado jamon serrano mit Olivenöl schwebten auch wir beide kulinarisch auf Wolke 7. Cadiz erledigte dann noch den Rest: bei schönstem Wetter schlenderten wir durch die verwinkelten Altstadtgassen, besuchten die einzigartige Markthalle, die spektakuläre Kathedrale und schlummerten schliesslich nach unserem ersten Atlantikbad im 2011 am Stadtstrand glücksgeschwängert und zufrieden ein.

Am nächsten Tag besuchten wir Jerez de la frontera. Jerez ist Spaniens Sherry Hauptstadt. Die riesigen Bodegas werden in Jerez liebevoll Weinkathedralen genannt und natürlich widmeten auch wir uns der Weinpilgerei. Wir besuchten also die Bodega von Gonzalez Byass und ihrem Aushängeschild Tio Pepe. Nach der sechswöchigen Alkoholabstinenz in Marokko wurde die anschliessende Sherrydegustation für uns zwei zum Riesenfest.

Die nächste Etappe gestaltete sich spektakulär: Mit einem Kahn konnten wir uns über den Fluss in den Nationalpark Donana übersetzen lassen. Donana ist Spaniens grösstes Feuchtgebiet. Wasserarme und Sumpfzonen im Flussdelta und riesige Dünenbarrieren am Meer – der Gegensatz von Feucht- und Trockenzonen prägt dieses Areal. Für uns war dieser Nationalpark jedoch nicht nur wegen Flora und Fauna von Interessse, sondern auch, weil sein Strandabschnitt für uns die ultimative Superabkürzung nach Portugal darstellte. Hätten wir den Nationalpark umradeln müssen, hätten wir hoch bis Sevilla gemusst und dann alles wieder runter an die Küste nach Portugal. Dies hätte für uns rund vier Tage gedauert. So  konnten wir aber bei Ebbe die 33 Kilometer auf dem harten Sanduntergrund zurücklegen. Auf 33 Kilometern nur wir zwei am “wilden” Sandstrand. Kein Auto, kein Haus, kein Mensch! Aber tausende von angespülten Muscheln und Meeresschnecken. Es war ein wunderschönes aber unglaublich anstrengendes Erlebnis. Teilweise kamen wir gut voran. Dann wiederum war der Sand so weich, dass wir unsere schweren Räder schieben mussten und doch immer wieder einsanken. Als wir den ersten Ort nach dem Nationalpark erreichten, setzte bereits langsam die Abenddämmerung ein. Wir hatten im wahrsten Sinne des Wortes Sand im Getriebe: Die Räder knirschten, der Sand war überall. Wir waren hundemüde und wollten nur noch unser Zelt aufstellen. Der Camping im Ort hat jedoch dicht gemacht und so hiess es nochmals 20 Kilometer weiterfahren. Den ganzen nächsten Morgen haben wir unserer geschundenen, armen Räder gepflegt bevor wir uns wieder auf die Sättel geschwungen haben.

Über LaAntilla sind wir nun schliesslich in Portugal und Tavira angekommen. In diesem wunderschönen Küstenstädtchen haben sich unsere lieben Freunde Debora und Mario letzten Herbst ein kleines Altstadthäuschen gekauft, dass wir nun zwei Wochen gemeinsam mit ihnen so richtig einweihen werden ;)


Wüste Pannen und schöne Bergwelten

geschrieben von admin am 9. April 2011 um 09:51

 

Nach Ouarzazate sind wir definitiv in die Wüste eingetaucht. Eine weite, beruhigende Farbsymphonie in tausend braun –und rottönen, bizarre Felsformationen gerahmt vom verschneiten Atlas in der Ferne. Dazwischen die Oasendörfer mit ihren Dattel –und Fruchtplantagen, wunderschönen Kasbahs – reich verzierte, festungsähnliche Lehmbauten – und den weidenden Dromedarherden. Kein Wunder also, dass unser Zelt im Oasenort Skoura direkt unter einer grossen Dattelpalme zu stehen kam.

Als wir dann trunken von dieser kargen Schönheit und beide etwas verträumt Richtung Dadesschlucht rollten, musste zuerst Didis Pneu reissen um uns wieder in die Radlerrealität zurückzuholen. Ersatz haben wir seit Istanbul ja dabei und so erreichten wir gegen Abend Boumaine, das Tor zur Dadesschlucht. Nach der Ruhe beim Atlasabstieg und den rund 150km in der Wüste wurden wir vom heftigen Treiben in Boumaine etwas überrumpelt. Jeder will ein Zimmer, ein Tajine oder einen Ausflug in die Dadesschlucht verkaufen. Wir dagegen wollten doch einfach zuerst einmal ankommen. Wir fanden ein Hotel wo wir unser Zelt aufstellen konnten und am nächsten Tag zu Marcs 30. Geburtstag ein tolles Frühstück serviert bekamen. Trotz allem war uns die Lust am der Dadeschlucht etwas vergangen und wir beschlossen, dieses touristische Highlight auszulassen und trotz Geburtstag die 50km bis Tinghir weiterzuradeln. Mit einem wahnsinns Rückenwind waren wir 1.5 Stunden später auch schon dort. Das eine oder andere Dromedar wird nun wohl mit einer Halsstarre zu kämpfen haben, da es versucht hat, diesem zweirädrigen Highspeedtross nachzuschauen. Wir wussten, dass in Tinghir ein gewisser Edy Kunz ein Hotel führt. Als vor rund 9 Jahren an den Münsinger Filmnächten das Thema “Wüste und andere Sachen” aufgegriffen wurde, ist dieser mit zwei Berberzelten, Tajines und x anderen Marokkoutensilien den ganzen Weg von Tinghir bis nach Münsingen gereist, um dem Aaretal die Wüste etwas näher zu bringen. Natürlich haben wir es uns nicht nehmen lassen, ihm als Kleindelegation die besten Grüsse der Filmnachtcrew zu überbringen. Es wurde ein lustiger Abend und Edy hat nach 20 Jahren Marokko die eine oder andere Geschichte zu erzählen.

Dann kam das, was wir schon seit längerem etwas befürchtet hatten. In Goulmima, einem weiteren Oasenkäffchen, ist Didis Hinterradfelge gerissen. Wenn wir eine Wunschliste für die Reise in Marokko gehabt hätten, wäre ein Felgenbruch in der Wüste sicher nicht darauf gestanden. Einen Velomechaniker zu finden war kein Problem. Goulmima muss wohl die heimliche Hauptstadt der Velomechs sein, wir haben sicher 15 dieser kleinen “Werkstätten” gesehen. Schwierig war eine Felge zu finden. Mohamed, der Mechaniker unseres Vertrauens, half uns dabei. Gemeinsam mit der ausgebauten Felge, haben wir uns auf der Ladefläche seines dreirädrigen Motorrades platziert und haben ganz Goulmima nach einer Felge abgeklappert. Irgendwann kam dann Irgendwo, Irgendwie eine zwar etwas lädierte aber durchaus fahrtüchtige Felge zum Vorschein. Den Nachmittag haben wir damit verbracht, die alte und neue alte Felge auszuspeichen, Nabe und Kränze umzusetzen und wieder einzuspeichen. Dazu wurde viel Tee getrunken und viel lamentiert. Als der Schaden dann behoben war, war Mohamed der Meinung, dass es so ein schöner Tag mit uns gewesen sei, dass er keine Bezahlung wolle! Besser sei es, wenn wir mit ihm etwas essen gingen und dann noch kurz gemeinsam bei der Berberhochzeit seines Freundes reinschauen würden. Juhuuuu!!! Wie ein Tag der so beginnt eine solche Wendung nehmen kann… Felgenbruch also doch auf die Wunschliste.

Schliesslich erreichten wir Errachidia und verliessen tagsdarauf nach rund 400 Wüstenkilometern, diese karge aber wahnsinnig faszinierende und schöne Gegend Richtung Atlas. Durch das fruchtbare, Dattelpalmengesäumte Ziztal stiegen wir langsam höher und überquerten nach Rich den hohen Atlas schliesslich zum zweiten Mal. Bereits am nächsten Tag wartete der mittlere Atlas mit einem 2200 Meter hohen Pass auf uns. Das wunderschöne Wetter, die einmalige Landschaft und die absolute Ruhe entschädigte für jeden erkämpften Höhenmeter xfach. Kurz nach dem Pass fanden wir am Sidi Ali See einen schönen Platz wo wir unser Zelt hinstellen konnten. Zwar fiel auf dieser Höhe die Temperatur in der Nacht auf die 0 Gradgrenze dafür erlebten wir einmal mehr einen unbeschreiblich schönen Sternenhimmel in absoluter Einsamkeit. Am Morgen schauten ein paar Hirten mit ihren Schafen und Ziegen vorbei und schliesslich machten auch noch zwei deutsche Ehepaare mit ihren Wohnmobilen rast. So bekamen wir doch tatsächlich noch einen Kaffee serviert und konnten erst noch ein wenig Bücherbalast abladen.

Über Azrou und Meknes landeten wir schliesslich in Volubilis, einer altrömischer Ausgrabungsstätte. Am Strassenrand kamen wir mit zwei Brüdern ins Gespräch, welche versuchen “Fossilien” an Touristen zu verkaufen. Da aber jeder Blinde sieht, dass es sich dabei einfach um Steine aus dem nebenanliegenden Acker handelt gelingt ihnen dieses Geschäft selten bis gar nie. Die Armut steht den beiden ins Gesicht geschrieben und daher haben wir ihr Angebot angenommen, unser Zelt gegen ein Entgelt in ihrem Garten aufzustellen. Als wir das Zelt aber aufstellen wollten, fingen sie jedoch nach Ausreden zu suchen. Schliesslich fanden wir heraus, dass der Garten nicht ihnen gehört, sondern dass sie von einem reichen Mekneser als Wächter dafür angestellt sind. Da der Mekneser aber dummerweise gerade vor Ort war und sich sicher nicht darüber gefreut hätte, dass sein Garten als Campingplatz missbraucht wird, mussten wir noch etwas mit dem Aufstellen warten. Die Brüder sind über ihren Geschäftserfolg so in Hochstimmung geraten, dass sie uns auch gleich noch das Abendessen verkauften. Tajine für zwei Personen. Um 20:00 Uhr einzunehmen in ihrer Hütte. Bezahlen mussten wir es sogleich, da sie kein Geld hatten, um die Zutaten im nächsten Dorf einzukaufen. Gespannt standen wir also um 20:00 Uhr vor dem Häuschen. Von Tajine keine Spur, dafür Stromausfall. Einer der Brüder versuchte uns etwas zu unterhalten und schliesslich tauchte dann der zweite mit einem wunderbaren Tajine auf. Die Schwester hatte es im Dorf zubereitet und er hat es per Autostopp zurück zur Hütte gebracht. Es wurde ein lustiger Abend mit den beiden.

Der nächste Tag begann mit dem bereits seit längerem angekündigten Regen. Ein Familie welche auf dem Parkplatz nebenan mit ihrem Lastwagen genächtigt hatte, erbot sich, uns etwas im Lastwagen mitzunehmen. Wir sagten natürlich nicht nein und stiegen mit Sack und Pack in den französischen Camion. In Chefchouen schlenderten wir gemeinsam noch etwas durch die Stadt und fuhren dann gemeinsam in das kleine Bergdorf Akchore. Dort führt ein Freund der Familie die Auberge Cafe Rueda. Grec, Cécile und Nahail stellten ihren Camion hinter die Auberge und wir beide nisteten uns auf der Dachterrasse im Berberzelt ein. Neben uns war noch ein ganzes Rudel tschechischer Kletterer vor Ort. Die Idee wäre gewesen, am nächsten Tag weiter Richtung Tanger zu fahren. Akchore liegt jedoch so wunderschön zwischen zwei Nationalparks gelegen, dass wir nicht einfach so weiterziehen konnten. Statt dessen machten wir zwei wunderschöne Wanderungen zu den Nahe gelegenen Wasserfällen und der beeindruckenden Pont de dieu – einer natürlichen Felsenbrücke – im wildromantischen Oued-Laou Tal. Beim Autostopp zum Ausgangspunkt der Wanderung nahm uns eine Gruppe Studenten aus Fes mit. Es wurde eine tolle Begegnung die schlussendlich damit endete, dass sich auch die Feser im Cafe Rueda einquartierten und wir am Abend gemeinsam zum Tajineplausch ansetzten.

Die Tajineenergie konnten wir schliesslich gut gebrauchen. Die nächsten knapp 100 Kilometer bis Martil waren unsere bisher grösste Herausforderung auf Schotter, Lehm und Staubpisten. Nun haben wir aber auch dieses Gerumpel hinter uns gebracht und Morgen geht es weiter nach Ceuta, wo wir hoffentlich eine Fähre nach Spanien erwischen.


Über den hohen Atlas

geschrieben von admin am 23. März 2011 um 13:05

Das Warten hat sich gelohnt! Bei bestem Wetter können wir die Überquerung des hohen Atlas über den Tizi n Tichka in Angriff nehmen. Eine spektakuläre Kulisse begleitet uns während den nächsten drei Tagen. Zuviele Worte wollen wir daher gar nicht verlieren. Besser ist es, sich die Fotos anzuschauen…

Aber doch noch: glücklich und zufrieden sind wir in Ouarzazate – im Hollywood der Wüste – angekommen :)